Bundestag: Crowdworking wird erforscht

MMR-Aktuell 2014, 364192


In einer Antwort (BT-Drs. 18/3032) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hinsichtlich des Wandels von Arbeit im Digitalen Zeitalter und den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt informierte die Bundesregierung darüber, dass das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) derzeit erste Forschungsaufträge zur Verbreitung und zu den Auswirkungen des sog. Crowdsourcing und Crowdworking erarbeitet.

In der Kleinen Anfrage wird darauf verwiesen, dass die Digitalisierung und die digitale Automatisierung von vielen Experten als revolutionärer Umbruch gewertet wird, der auch gänzlich neue Formen der Arbeitsorganisation ermögliche. Einige der Risiken, die der digitale Wandel ohne arbeitsrechtliche und sozialpolitische Absicherung für die Beschäftigten berge, zeichneten sich bereits ab. Dem „Normalarbeitsverhältnis“ stünden zunehmend flexiblere Beschäftigungs- und Erwerbsformen gegenüber. Beim „Crowdsourcing“, einer Form digitalen Outsourcings, werden Projekte von Unternehmen in einzelne Arbeitsaufgaben (Mikro Tasks) zerstückelt, über eine Online-Plattform ausgeschrieben und von einer Vielzahl voneinander unabhängiger und quasi-anonym arbeitender Beschäftigter (Crowd) abgearbeitet. Diese „Clickworker“ oder „Crowdworker“ stellten eine neue Form prekärer Beschäftigung dar. „Share-Economy“-Plattformen ermöglichten jedem Nutzer, selbst zum Anbieter zu werden. Arbeitsverträge würden durch AGB ersetzt, unternehmerische Risiken und die Verantwortung für Arbeitsschutz und soziale Sicherung immer mehr bis vollständig auf die Beschäftigten ausgelagert.

Die Bundesregierung betonte, der sozialversicherungsrechtliche Schutz hänge nicht von einem bestimmten Arbeitsmodell ab, sondern davon, ob eine abhängige oder eine selbständige Beschäftigung vorliege. Deswegen könne man die Tätigkeiten, die unter dem Sammelbegriff des Crowdworking firmieren, nicht pauschal einordnen. Maßgebend sei immer der Einzelfall. Ministerien, öffentliche Einrichtungen, Behörden und Unternehmen mit Bundesbeteiligung nutzten das Crowdsourcing nach Kenntnis der Bundesregierung bisher nicht.

# Zu Crowdsourcing vgl. Hötte, MMR 2014, 795.


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