Verkehrsrecht: Am liebsten ohne Richter

Eine aktuelle Forsa-Umfrage (September/Oktober 2014) der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) unter ihren Mitgliedern und den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im DAV zeigte, dass die überwiegende Mehrheit der Haftungsfälle, die im Bereich Verkehrsrecht mit anwaltlicher Hilfe reguliert werden, ohne Gerichtsverfahren auskommen. Der Fachanwalt für Verkehrsrecht und Fachanwalt für Versicherungsrecht Jörg Elsner, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) erläuterte im Rahmen einer Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im DAV am 13. November 2014 in Berlin die Umfrageergebnisse mit Blick auf das Haftungsrecht im Verkehrsrecht.


So zeigte die Umfrage, dass 51 Prozent der zivilrechtlichen Verkehrsrechtsmandate, bei denen die befragten Rechtsanwälte Versicherungsnehmer vertraten, außergerichtlich vollständig von den Versicherern reguliert wurden. Bei weiteren 30 Prozent einigten sich die Parteien in einem außergerichtlichen Vergleich. Nur in 14 Prozent aller durch die Befragten genannten Fälle kam es zu einem klärenden Gerichtsverfahren. „Diese Zahlen belegen, dass die Einschaltung eines auf Verkehrsrecht spezialisierten Fachanwaltes den Geschädigten durchweg zu ihrem Recht verholfen hat – und zwar ohne dass der Klageweg beschritten werden musste“, führt Fachanwalt Jörg Elsner aus. Da die Anwaltskosten in diesen Fällen vom Versicherer zu tragen sind, entstehe den Geschädigten durch Hinzuziehen eines Rechtsanwaltes auch kein finanzieller Nachtteil, wie Elsner betont.

Streitpunkte Schmerzensgeld und Reparaturkosten

Zwar waren die meisten der befragten Anwälte schwerpunktmäßig mit der Sachschadenregulierung befasst, doch regulierte die große Mehrheit der Befragten auch Personenschäden. Am häufigsten wurde über die Höhe des Schmerzensgeldes, die Höhe der Reparaturkosten sowie über Mietwagenkosten gestritten. Und in etwas über der Hälfte der behandelten Fälle ging es grundsätzlich um die Frage der Haftung für den entstandenen Unfallschaden. Bei den Personenschäden wurde in 46 % der Fälle die Frage aufgeworfen, ob die entstandenen Verletzungen überhaupt durch den Unfall verursacht wurden. Auch der Umfang der erlittenen Verletzungen bildete ein wesentliches Konfliktfeld. „Die Antworten zeigen, dass es in Haftungsfragen im Verkehrsrecht häufig nicht um Bagatellen geht. Vor diesem Hintergrund gewinnt die hohe Anzahl außergerichtlicher Regulierungen einen noch deutlicheren Stellenwert. Als Fazit für Geschädigte dürfen wir demnach durchaus feststellen, dass das Einschalten eines Rechtsanwaltes dem Geschädigten hilft, auch ohne Gerichtsverfahren seine Ansprüche bestmöglich durchzusetzen“, betont Elsner.

Versicherer sehen unterschiedliche Rechtsansichten

Rechtsanwälte, die die Versichererseite vertreten, gaben an, dass ihre Mandantschaft in 42 Prozent der genannten Fälle unterschiedliche Rechtsansichten für Probleme bei der Regulierung verantwortlich machten. In 30 Prozent der Fälle wurden unterschiedliche Annahmen des zu beurteilenden Sachverhaltes als Ursache für Probleme gesehen. Dass dennoch so viele Streitigkeiten ohne Einschaltung der Gerichtsbarkeit reguliert wurden, führt der Fachanwalt auf die hohe fachliche Kompetenz der von den unterschiedlichen Parteien beauftragten Rechtsanwälte zurück. „Anders ließe sich nicht erklären, dass nur 14 Prozent der Fälle in eine gerichtliche Auseinandersetzung münden“, sagt er. Um nach einem Verkehrsunfall auch im Fall einer gerichtlichen Austragung des Haftungsstreites gut gerüstet zu sein, empfiehlt der Fachanwalt den Abschluss einer Rechtsschutzversicherung. „Werden die Folgen von Verkehrsunfällen vor Gericht behandelt, müssen häufig teure Sachverständigengutachten in Auftrag gegeben werden, die der Auftraggeber zu bezahlen hat. Eine Rechtsschutzversicherung schützt in diesem Fall davor, dass dem Versicherungsnehmer noch vor Aufnahme des Verfahrens finanziell die Puste ausgeht“, wie Jörg Elsner ausführt.

Vorurteil Prozessfreude

„Das Ergebnis der Umfrage in Sachen Verkehrsrecht bestätigt den Erfolg außergerichtlicher anwaltlicher Tätigkeit und widerlegt das Vorurteil, Anwälte hätten vor allem die gerichtliche Auseinandersetzung zum Ziel“, unterstreicht Jörg Elsner. Die Erfahrung zeige, so sagt Fachanwalt Elsner, dass der Geschädigte bei einer Interessenvertretung durch einen Anwalt in der Regel höhere Leistungen zugesprochen bekommt als bei einer direkten Regulierung durch den Versicherer. „Versicherer, die ein so genanntes ‚Schadensmanagement‘ anbieten, sind daher häufig bestrebt, die Beauftragung einer Anwaltskanzlei zu verhindern“, schließt Elsner.


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