Sachversicherung: Kommt der Gang zum Anwalt zu spät?

Eine aktuelle Forsa-Umfrage (September/Oktober 2014) der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) unter ihren Mitgliedern und den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im DAV zeigte, dass im Bereich der Sachversicherungen der Versicherungsnehmer zumeist erst dann einen Anwalt aufsucht, wenn der Versicherungsfall eingetreten ist und der Versicherer Leistungen entweder ganz oder teilweise verweigert oder die Regulierung aus Sicht des Versicherungsnehmers zu viel Zeit in Anspruch nimmt. Der Fachanwalt für Versicherungsrecht und Vorsitzender des Fachanwaltsausschusses Versicherungsrecht der Rechtsanwaltskammer Berlin, Michael Piepenbrock erläuterte auf einer Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im DAV die Umfrageergebnisse in Bezug auf die Sachversicherungen.


Besonders viele Streitigkeiten werden in den Sparten Rechtsschutz, zu 30 Prozent, Gebäude- mit 29 Prozent und der Hausratversicherung mit 14 Prozent ausgetragen. Und anders als bei Haftungsfällen im Verkehrsrecht wird die überwiegende Anzahl dieser Streitfälle vor Gericht verhandelt und dort entschieden, nämlich 36 Prozent per Gerichtsurteil und 29 Prozent durch einen vor Gericht geschlossenen Vergleich. Der Anteil außergerichtlicher, vollständiger Regulierungen liegt bei mageren 7 Prozent.

Hoher Streitfall-Anteil bei Gebäudeversicherung kritisch

Während Streitigkeiten im Bereich der Rechtsschutz- oder Hausratversicherung selten existenzbedrohend sind, liegt der Fall im Bereich der Gebäudeversicherung anders. Im Bereich der Sachversicherungen wurden Streitfälle, die die Gebäudeversicherung betrafen am zweithäufigsten genannt. „Hier haben wir es häufig mit hohen Schadenssummen zu tun“, erläutert Rechtsanwalt Michael Piepenbrock. Er ergänzt: „Lehnt der Versicherer die Regulierung unberechtigt ab, kann das für den Versicherungsnehmer den Ruin bedeuten. Er braucht unter Umständen sehr große finanzielle Reserven, um die Instandsetzung seines Hauses aus eigenen Mitteln zu bestreiten.“

Keine Unterschiede bei Hauptstreitpunkten

Wie in anderen Versicherungssparten auch, wurden die Hauptstreitpunkte von den befragten Rechtsanwälten in der überwiegenden Mehrzahl, nämlich mit 70 Prozent als Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflichten beschrieben. Zu 65 Prozent sagten die Anwälte, man streite sich darüber, ob überhaupt die Voraussetzungen für eine Versicherungsleistung vorliegen und in 55 Prozent der Fälle geht es um die Höhe der Leistungen. Risikoausschlüsse sind in 43 Prozent der beschriebenen Fälle strittig und über die Bewertung von Begutachtungen wird in 39 Prozent der beschriebenen Fälle gestritten. „Der hohe Anteil der Verletzung vorvertraglicher Anzeigepflichten offenbart aus unserer Sicht einen Beratungsbedarf seitens der Versicherungsnehmer, der bisher nicht gedeckt ist“, kommentiert der Fachanwalt. Piepenbrock empfiehlt Versicherungsnehmern daher, möglichst bereits bei Vertragsanbahnung, spätestens jedoch bei der Schadensmeldung und –abwicklung einen versierten Fachanwalt für Versicherungsrecht zu Rate zu ziehen: „Zumindest in den Fällen, in denen Wirtschaftsgüter betroffen sind, deren Totalverlust die Existenz bedrohen würde, ist es ratsam einen Rechtsanwalt zu konsultieren, der den Versicherungsnehmer unabhängig beraten und beim Schadensmanagement vertreten kann.“ Im Dialog mit der Schadenssachbearbeitung auf Seiten der Versicherer, lassen sich in den meisten Fällen nicht nur Anzeigeobliegenheitsverletzungen vermeiden, sondern auch Lösungen finden, ohne Gerichte in Anspruch zu nehmen, ist der Fachanwalt sicher.

Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht: Schadensbearbeitung kann mit anwaltlicher Hilfe verkürzt werden

Die Arbeitsgemeinschaft für Versicherungsrecht setzt sich dafür ein, dass im Rahmen des angestrebten Dialogs mit dem Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft e. V. (GDV) die Assekuranz in Schadensfällen mit besonderer wirtschaftlicher Bedeutung für den einzelnen Versicherungsnehmer bereits bei Schadensanzeige die Einbeziehung eines Rechtsberaters empfiehlt. Im Interesse der Verkürzung der Schadenbearbeitung sollen gemeinsam Optimierungsmöglichkeiten erarbeitet werden.


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