Krach mit der Versicherung? Berufsunfähigkeitsversicherung besonders häufig betroffen

Wie eine aktuelle Forsa-Umfrage (September/Oktober 2014) der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) unter ihren Mitgliedern und den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsrecht im DAV zeigte, kommt es im Bereich der Personenversicherungen besonders häufig zu Streitigkeiten zwischen Versicherungsnehmer und Versicherer. 77 Prozent der befragten versicherungsrechtlich tätigen Anwälte gaben an, dass sie in Streitigkeiten mit der Berufsunfähigkeitsversicherung konsultiert werden. Arno Schubach, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Versicherungsrecht von der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im DAV, erläuterte und kommentierte auf einer Pressekonferenz am 13. November 2014 in Berlin die Hintergründe.


Bei der Inanspruchnahme und Durchsetzung von Ansprüchen aus der Berufsunfähigkeitsversicherung geht es für den Versicherungsnehmer um existenzielle Fragen. Der Versicherer seinerseits sieht sich Forderungen gegenüber, die ihn oft über Jahrzehnte zur monatlichen Rentenzahlung verpflichten. Nicht selten erreicht das Leistungsvolumen sechsstellige Größenordnungen. „So ist zu erklären, dass 92 Prozent der befragten Versicherungsrechtler angaben, Versicherungsnehmer konsultierten einen Rechtsanwalt, wenn der Versicherer die Versicherungsleistung ablehnt“, sagt Schubach. „Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine ‚Alles-oder-Nichts-Versicherung“, erläutert der Fachanwalt, „liegt der erforderliche Grad der Berufsunfähigkeit vor, zahlt die Versicherung die vereinbarte Summe. Belegen die Gutachten den erforderlichen Grad nicht, so erfolgt eine Ablehnung. Es gibt im typischen Berufsunfähigkeitsversicherungsvertrag, anders als bei der Invalidität in der Unfallversicherung, keine anteilige Zahlung, die sich nach dem Grad der Berufsunfähigkeit bemisst.“

Pflichtverletzungen des Versicherungsnehmers führen häufig zu Streit

Rund 70 Prozent der überwiegend versicherungsrechtlich tätigen Anwälte nennen als Hauptstreitpunkt bei Auseinandersetzungen mit Personenversicherern Verletzungen der Auskunftspflicht zum Beispiel zu Fragen des Gesundheitszustandes des Versicherungsnehmers bei Abschluss der Versicherung.

In einem weiteren Punkt sieht Arno Schubach aber auch die Versicherer in der Pflicht: „Gerade im Bereich der Personenversicherungen scheint der Beratungsbedarf des Kunden bei Abschluss einer Versicherung nicht ausreichend gedeckt zu sein“, sagt er. Die Umfrageergebnisse bestätigen diese Schlussfolgerung. So geben die vorwiegend versicherungsrechtlich tätigen Anwälte zu einem großen Teil an, Versicherungsnehmer zögen sie zu Rate, um sich vorbeugend zu einem Versicherungsfall beraten zu lassen. Dabei zeigt sich häufig, dass Versicherungsnehmer unzureichende oder falsche Vorstellungen über die versicherten Leistungen haben, zu wenig über ihre eigene Mitwirkungspflicht wissen oder schlicht die Versicherungsbedingungen nicht verstehen. Schubach betont allerdings , dass die oft komplexen Verträge, besonders die in der Berufsunfähigkeitsversicherung, den Versicherungsnehmer im Versicherungsfall nicht allein aus Gründen mangelnder Transparenz überfordern.  „Die Verträge sind sehr komplex und erfordern aufgrund ihrer individuellen Ausgestaltung mehr Mitwirkung durch den Versicherungsnehmer, als zum Beispiel eine reine Erwerbsunfähigkeitsversicherung“, betont der Fachanwalt. Insofern sind Versicherungsnehmer gut beraten, im Versicherungsfall einen versierten Fachanwalt zu Rate zu ziehen, der sie im Regulierungsverfahren kompetent begleitet.

Optimierungsbedarf seitens der Versicherer

Rund 65 Prozent der Versicherungsrechtler gaben an, von Versicherungsnehmern konsultiert zu werden, weil die Regulierung im Falle der Personenversicherungen „zu lange“ dauert. „Auch das hat häufig mit der Komplexität der Verträge und den Besonderheiten der Berufsunfähigkeitsversicherung zu tun“, erläutert Schubach. Im Falle der Berufsunfähigkeit müssen ein oder oft auch mehrere medizinische Sachverständigengutachten eingeholt werden. Hinzu kommt eine leider nicht selten recht lange Bearbeitungszeit bei den Sachverständigen. An die Versicherer appelliert Schubach daher, die Regulierungsabläufe auf Optimierungsmöglichkeiten zu untersuchen, damit typische Ursachen für unnötige Verlängerungen identifiziert und abgestellt werden können. „Die Regulierung zu optimieren und etwaige typische Fehlerquellen abzustellen ist aus Sicht der Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht im Interesse aller Beteiligten, also sowohl der Verbraucher als auch der Versicherer“, so Schubach.

Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht sucht den Dialog

Als Konsequenz aus der aktuellen Umfrage sucht die Arbeitsgemeinschaft Versicherungsrecht gezielt den Dialog mit der Assekuranz, um insbesondere für existenzielle Probleme im Bereich der Personenversicherungen gemeinsam Lösungsverschläge zu erarbeiten. Ebenso prüft die Arbeitsgemeinschaft, ob das Know-how ihrer in der Praxis tätigen Mitglieder in Gesprächen mit Verbänden der Vermittler zur Verbesserung der Beratungsqualität und damit des besseren Verständnisses des Produktes durch den Versicherungsnehmer eingesetzt werden kann. Die Arbeitsgemeinschaft leistet ihrerseits bereits seit Jahren einen Beitrag zu möglichst reibungslosen Regulierungsverläufen, indem sie ihre Mitglieder regelmäßig fortbildet. „Unser Interesse ist es, streitige Fälle auf Sachverhalte zu beschränken, in denen unterschiedliche Auffassungen und Bewertungen einer Entscheidung durch das Gericht bedürfen“, schließt Schubach.


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