eBay-Auktion: Ein Mangel ist ein Irrtum

(DAV). Immer wieder einmal gibt es Auseinandersetzungen darüber, ob und wann der Anbieter bei einer Online-Auktion die Auktion abbrechen darf. Tut er das widerrechtlich, kann nämlich der zu der Zeit Höchstbietende Anspruch auf Schadensersatz haben.


Das Landgericht Heidelberg musste entscheiden, ob ein Anbieter sein Angebot zurückziehen darf, wenn er nach Auktionsbeginn einen Mangel an der angebotenen Ware entdeckt. Das berichtet die Arbeitsgemeinschaft IT-Recht im Deutschen Anwaltverein (DAV).

Nach Auktionsbeginn Mangel am angebotenen Gegenstand entdeckt

Der Mann hatte auf der Website von eBay einen Sportwagen mit einem Startpreis von einem Euro zum Verkauf angeboten. Während die Auktion lief, stellte er einen Schaden am Katalysator des Wagens fest, der sich durch Leistungsabfall und ein Ruckeln des Fahrzeugs bemerkbar machte. Er zog sein Angebot daraufhin zurück und brach die Auktion ab. 

Das durfte er, entschied das Gericht. Die Richter zogen für ihre Entscheidung einen Hinweis von eBay für Anbieter heran. „Es kann vorkommen, dass Sie ein Angebot vorzeitig beenden müssen, zum Beispiel, wenn Sie feststellen, dass Sie sich beim Einstellen des Artikels geirrt haben oder der zu verkaufende Artikel während der Angebotsdauer beschädigt wird oder verloren geht.“ 

Zwar sei hiernach eine Rücknahme des Angebots nur wegen einer Beschädigung oder des Verlustes des Artikels gestattet, die während der Angebotsdauer einträten. Ein Mangel sei nicht erwähnt. Doch genüge laut erstem Satz die nachträgliche Feststellung, dass der Anbieter sich beim Einstellen des Artikels „geirrt“ habe.

Irrtum über Gebrauchstauglichkeit und Wert

Dies könne ein vernünftiger „Erklärungsempfängers“ – also hier der Anbieter – nur so verstehen, dass er ein Angebot zurücknehmen dürfe, wenn er eine falsche Vorstellung über die Gebrauchstauglichkeit und damit über den Wert des Gegenstandes gehabt habe. Denn dem Verkäufer, der einen solchen Irrtum nachträglich erkennt, sei klar, dass er – genau wie im Falle der Beschädigung oder des Verlustes – einem potentiellen Käufer den Artikel nicht in dem Zustand übergeben könne, den er seinem Angebot zugrunde gelegt hat.

Landgericht Heidelberg am 12. Dezember 2014 (AZ: 3 S 27/14)


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